16. Mai 2023In Prägungen, Liebeskummer
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Was sind Bindungsstile?

Ein Bindungsstil ist ein Muster, an dem du ableiten kannst, wie ein Mensch sich in Beziehungen verhält. Wie ein Mensch mit diesem Bindungsstil agiert und reagiert.

Wie schon der Psychologe John Bowlby in der Bindungstheorie beschrieben hat, sucht jeder Mensch nach Bindung. Jeder in seinem eigenen Stil. 

Bindungsstile entstehen bereits in der Kindheit. Je nachdem, wie wir in unserer Kindheit Zuwendung und Liebe erfahren haben, hat das unser Bedürfnis nach Nähe und Distanz beeinflusst. Wenn du bei Eltern aufgewachsen bist, die selbst sicher in ihrem Bindungsstil waren, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch du als Erwachsener stabile und sichere Beziehungen führst.

Um langfristige und glückliche Beziehungen aufzubauen, ist es hilfreich, sich des eigenen Bindungsstils bewusst zu werden und auch einen Blick auf den Partner zu werfen, denn so können wir diese auch besser verstehen und unterstützen.

In meinem Beitrag beschreibe ich im Folgenden den ängstlichen Bindungstypen, den vermeidenden Bindungstypen, den ambivalenten Bindungstypen und den sicheren Bindungstypen. Es ist möglich, dass du das Gefühl hast, dass verschiedene Beschreibungen auf dich zutreffen. Dann schau bitte, wo die Ausprägungen bei dir am stärksten sind, das ist dann als deine Hauptprägung zu verstehen. Ein Blick auf die anderen schadet sicher nicht, denn jeder dieser Bindungsstile prägt unser Beziehungsverhalten und unsere Muster auf unterschiedliche Weise.

Der sichere Bindungsstil

Menschen mit einem sicheren Bindungsstil fühlen sich wohl und sicher in engen zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie vertrauen darauf, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden und sind in der Lage, sowohl Nähe als auch Unabhängigkeit in einer Beziehung zu erleben. Sie genießen sowohl die körperliche, als auch die emotionale Nähe zu Menschen, ohne sich davon abhängig zu fühlen.

Menschen mit einem sicheren Bindungsstil haben oft eine positive und ausgewogene Sicht auf sich selbst und andere. Sie sind von ihrem Wesen her verlässlich, beständig und aufrichtig. Sie werden fast nie in On-off-Beziehungen landen und in der Regel auch selten emotionale Dramen erleben oder sich manipulieren lassen. In der Regel sind diese Menschen in stabilen Familienverhältnissen aufgewachsen, oder sind über Persönlichkeitsentwicklung aus den unsicheren Bindungsstilen hinausgewachsen. Auch das ist möglich.

Bindungsstile und ihre Auswirkungen auf Beziehungen - Familie - Liebe - Frieden Sandra Heitmann Beziehungscoach

Der vermeidende Bindungsstil

Der vermeidende Bindungsstil ist häufig erkennbar daran, dass sie sich offenbar wenig Gedanken um Beziehungen machen. Sie wirken eher so, als ob sie eine Abneigung gegenüber enger Bindung und Nähe haben. Menschen mit einem vermeidenden Bindungsstil fühlen sich schnell unwohl, wenn sie emotional zu abhängig von anderen werden. Ihnen ist ihr Freiraum heilig und sie betonen gern ihr Bedürfnis nach Autonomie. Diese Menschen öffnen sich nur sehr ungern emotional und haben ein ausgeprägtes Gespür dafür, wenn jemand versucht sie zu kontrollieren. Es kann vorkommen, dass sie zweideutige Signale senden, weil sie sich zum einen eine Beziehung wünschen und zum anderen immer befürchten, sich selbst in der Beziehung zu verlieren. Wenn du dich hier wiedererkennst, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass du in Beziehungen früh erfahren hast, dass du deine eigenen Bedürfnisse im Namen der Liebe vernachlässigen musstest.

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Der ängstliche Bindungsstil

Menschen mit einem ängstlichen Bindungsstil erleben häufig Achterbahnfahrten ihrer Gefühle und ihre Beziehungen sind meist von Ängsten geprägt. Menschen mit diesem Bindungsstil sehnen sich nach Nähe und haben gleichzeitig Sorge, dass ihre Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Größtenteils sind sie in ihren Beziehungen misstrauisch und neigen dazu, ihre Beziehungen kontrollieren zu wollen. Menschen mit dem ängstlichen Bindungsstil treffen häufig auf Menschen mit dem vermeidenden Bindungsstil, denn ihre Muster ergänzen sich wunderbar.

Menschen mit dem ängstlichen Bindungsstil benötigen sehr viel körperliche und emotionale Nähe und sie tendieren dazu, dass sie sich an den Partner klammern, dass sie sein Verhalten leicht persönlich nehmen und oft gekränkt reagieren. In aller Regel haben diese Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl zu kämpfen, welches stabilisiert werden darf. Was auch dabei helfen kann, sich dann weniger um die Beziehung sorgen zu müssen. Denn das tun sie regelmäßig. Sie leiden unter Verlustangst und stellen deshalb auch übertrieben oft infrage, ob der Partner sie noch liebt oder nicht. Um darauf eine Antwort zu finden, neigen sie auch dazu, mit Trennung zu drohen oder die Eifersucht des Partners zu provozieren.

Häufig haben diese Menschen in ihrer Kindheit mindestens ein Elternteil erlebt, welches sie mit Liebesentzug gestraft hat und sie haben daraus geschlossen, dass man um Liebe und Aufmerksamkeit kämpfen muss.

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Der ängstlich-vermeidende Bindungsstil (ambivalent)

Menschen mit einem ängstlich-vermeidenden Bindungsstil verhalten sich oftmals sehr widersprüchlich. Oft haben sie traumatische Erfahrungen in der Kindheit gemacht und kämpfen sehr in ihren Beziehungen. In einem Moment suchen sie Nähe und im nächsten Moment ziehen sie sich zurück. Du kannst dieses Muster daran erkennen, dass du dich in der einen Beziehung verhältst, wie ein Mensch mit einem ängstlichen Bindungsstil und sehr klammerst und um Liebe kämpfst, hast du jedoch einen Partner, der dir emotionale und körperliche Nähe schenken will und kann, wirst du immer einen Weg finden, dich aus der Beziehung zurückzuziehen. Selbst dann, wenn du scheinbar in der Beziehung bleibst, distanzierst du dich emotional und entziehst dich der Beziehung. Du vermeidest es dann, dich auf Nähe einzulassen und nimmst der Beziehung über die Zeit jegliche Entfaltungschance.

Narzisstischer Bindungsstil

Menschen mit dem ängstlich-vermeidenden Bindungsstil legen häufig auch Verhaltensweisen an den Tag, die in den sozialen Medien als narzisstisch gedeutet werden. Dahinter steckt dann allerdings oft kein Narzisst, sondern ein Mensch mit ängstlich-vermeidendem Bindungsstil.

Diese Menschen vereinen die Muster des ängstlichen und des vermeidenden Bindungsstils in einer Person und erscheinen daher oft unberechenbar.

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Die Auswirkungen kindlicher Prägungen auf erwachsene Beziehungen

Die Bindungsstile, die wir in frühen Jahren entwickelt haben, leben wir in der Regel auch noch im Erwachsenenalter. Sie haben sich tief in unser Unterbewusstsein gegraben und erscheinen uns als normal. Doch sie haben starke Auswirkungen auf unsere heutigen Beziehungserfahrungen. Menschen mit einem sicheren Bindungsstil haben oft gesündere und stabilere Beziehungen, während diejenigen mit unsicherem Bindungsstil möglicherweise mit Problemen wie Bindungsängsten oder auch der Vermeidung von Nähe konfrontiert sind.

Es ist immer wieder interessant zu beobachten, dass Menschen mit einem ängstlichen Beziehungsstil vielfach einen Partner wählen, der einen vermeidenden Beziehungsstil prägt. Beide Muster verstärken sich in der Interaktion miteinander.

Wir suchen uns unbewusst einen Partner, der unsere tiefsten Überzeugungen bestätigt.

Der Weg hinaus beginnt daher immer bei uns und unseren Überzeugungen und nicht beim Partner.

Fazit zur Auswirkung der Bindungsstile auf unsere Beziehungen

Wenn du einem herausgefunden hast, zu welchem Bindungsstil du tendierst, ist das dein erster Schritt hinaus. Diese Bewusstheit kann dir helfen, dich aus dem ständigen Kreislauf negativer Beziehungserfahrungen hinauszubewegen. Du kannst lernen, in deinen Beziehungen sicherer zu werden. Aus dir heraus sicherer zu werden.

Dazu ist es wichtig, dass du dich in deinen Beziehungen selbst reflektierst, deinen Selbstwert stärkst, lernst respektvoll Grenzen zu setzen und die Verantwortung für deine Gefühle übernimmst.  

Indem du diese Schritte angehst, kannst du dazu beitragen, gesündere und erfüllendere Beziehungen aufzubauen.